Donnerstag, 1. Mai 2008

Unfreiwillige Pause

Dass ich so schnell wieder online sein werde haette ich nicht gedacht. Ich bin hier in Fagaras am Fusse des gewaltigsten Massivs der Karpaten in Rumanien. Unfreiwillig deshalb, weil ich mir gestern den Magen uebel verdorben habe; keine Details - Nahrungszufuhr ist aber momentan nur fluessig moeglich.
Statt nun den ganzen Weg von Baile Herculane hierher zu beschreiben, will ich ein, zwei Tage hervorheben. Nur soviel, im Prinzip bin ich einmal um das Fagaras Massiv rumgefahren und befinde mich nun in Siebenbuergen auf der noerdlichen Seite der Suedkarpaten.
Vor ein paar Tagen habe ich die Transfagaras in Angriff genommen, eine Strasse, die eben dieses Massiv in Nord-Sued-Richtung durchquert. Der Pass liegt dabei von Sueden kommend erst rund 75 KM nach dem Beginn des Anstiegs auf 2040m. Um diese Zeit ist der Pass naturlich geschlossen, das stand auch unten angeschrieben, aber neugierig wie ich bin, wollte ich wissen was geschlossen heisst: ich bin auch in den Alpen schon Passe gefahren, die geschlossen waren, wenn sich der Schnee oben auf den letzten KM beschraenkt - kein Problem. Aber die Transfagaras war und ist ein Biest. Nach etwa 64 KM und auf 1580m Hoehe war Schluss, wirklich Schluss: dichte, hohe Schneewande tuermten sich auf, da war kein Weiterkommen - gut, aber der Weg dorthin war beeindruckend, wild, einsam, aber auch kalt und unwirtlich. Zurueck musste ich auf dem gleichen Weg. Von der anderen Seite, also von hier, Fagaras, aus, sieht es aehnlich aus: das weiss ich von zwei Polen, den ersten Radfahrern, die ich in den 4 Wochen getroffen habe - gut, ich glaube den Versuch von dieser Seite muss ich nicht wagen....wobei hier im Norden faellt das Massiv viel steiler ab, es ware also moeglich. So wie ich mich momentan fuehle ist aber gar nicht moeglich, ausser langsames Gehen, Sitzen und Liegen.
Da es also wie beschrieben "Transfagaras" nicht moeglich war das Massiv zu queren, bin ich einen ebenfalls schoenen, aber dichter befahreneren Weg weiter oestlich gefahren. Da bin ich unter anderem am Dracula Schloss in Bran vorbeigekommen - ein Riesentouristennepp. Aprpos Touristen: seit letztes Wochenende herrscht hier Ausnahmezustand: durch eine wundersame Fuegung war da naemlich Ostern fuer alle in Rumaenien. Man erzaehlte mir, dass das Osterfest alljahrlich "festgelegt" wird, so dass die verschiedenen Religionsgemeinschaften gemeinsam feiern koennen. Ich habe das noch nicht ganz begriffen - egal, Effekt ist: die Woche haben viele Rumanen frei, weil der erste Mai heute ebenfalls Feiertag ist und morgen als Brueckentag gut taugt. Ganz ehrlich hoffe ich, die Rumanen kehren bald zur Arbeit zurueck, die Strassen sind dann viel ruhiger.
Zum weiteren Weg: wenn ich wieder feste Nahrung bei mir behalte, geht es in einem Bogen ueber Hermannstadt nach Timoswara, weiter durch Siebenbuergen. Der Weg, den ich gestern gefahren bin, hat mir dabei schon Appetit (nur im uebertragenen Sinne!) auf mehr gemacht - huegelige Strecken, wunderschoene Taeler, ein bisschen wie das Kraichgau, nicht ganz sooo lieblich...dafuer mit vielen Kirchenburgen, die die Siebenbuerger Sachsen hierher gestellt haben.
So, langer Eintrag, wieder keine Bilder, sorry. Ich versuche noch ein bisschen Fagaras zu verkunden, immerhin der Ort, an dem das Buch, dass ich hier die ganze Zeit gelesen habe spielt: Der gekoepfte Hahn von Eginal Schlattner.

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hi Marc, gute Besserung erst mal! Bestimmt findest du was zur innerlichen Desinfektion. Ansonsten finde ich deinen Blog echt klasse. Bleib dran. Und Eindrücke scheinst du ja echt grandiose zu haben. Neid.
Viele Grüße, Christof

Steve hat gesagt…

Hi Marc,

man o man, erst der Rahmen dann der MAgen. Was machst du denn?
Aber so ein paar kleine NAchteile muss so ein Sbatical ja haben ;)
Nadja und ich waren letztes Wochenende (zur Erinnerung, es war ein verlängertes Wochenende, so eines wo sich die arbeitende Bevölkerung wochenlang drauf freut und dann gehts im Nu vorbei) im schweizer Jura wandern. Wunderschön, hätte ich nicht so erwartet, aber nachdem jetzt hier der whansinns Frühling ausgebrochen ist (Sonne und blauer Himmel) hat alles angefangen zu blühen, saftiges Gras und saftiges Grün überall was natürlich genial aussieht. Ansonsten gibts von der schweizer seite nichts so wirklich prickelndes zu berichten. Wo wollen wir eigentlich hin im Sommer. Mein Vorschlag wäre ja so die Aletsch Gegend. Falls du eine spezielle Vorliebe hast melde dich mal damit ich mal anfangen kann entsprechende Literatur zu wälzen.

Gruss und bis bald
Steffen