Gestern nachmittag habe ich also das Fahrrad, das ein paar Tage Ruhepause hatte einem kleinen Check unterzogen. Zum Glueck. Entdeckte ich doch genau oberhalb der geschweissten Stelle einen neuen Riss im Rahmen meines Cannondale - ich musste mich erst mal setzen. Nun war ich also wieder fit, aber das Rad alles andere als fahrtuechtig. Ich wundere mich, dass mir der Riss nicht in den Fahreigenschaften aufgefallen ist. Egal. Ich war erst mal fertig. Aber Dariusz wusste Rat und setzte sich ans Telefon: alle alu-schweissenden Menschen im Umkreis von 50 KM, die ihm einfielen wurden aus ihrem Freitagnachmittagschlaf gerissen. Zuerst ohne Erfolg. Gut Ding will Weile haben. Dariusz fiel als bei mir schon alle Hoffnungen sanken noch der "Meister" des Alu-Schweissens ein. 10 KM entfernt. Das Rad wurde zerlegt und ab in den Kofferraum, es ging los.
Beim Meister angekommen wurde erst mal das Werk der Oesterreichischen Kollegen begutachtet: da wurde ja nicht nachgedacht, meinte der Meister, eine zu dicke Verstaerkung vor einer duennen Rahmenstelle, das kann nicht gutgehen, gut ist es aber 5.000 KM lang gegangen. Diese Probe steht fuer die polnische Meisterleistung noch aus!
Egal, der Meister ist eben eher Kuenstler als Handwerker und so zaehlt natuerlich fuer ihn alleine sein Werk. Er schritt zur Tat. Die folgenden Minuten moechte ich nicht detailliert wiedergeben: da blutet das Herz eines jeden Radlers, wenn sein Bike mit Flexmaschine und Schweissgeraet zugerichtet wird; da werden Stuecke rausgeschnitten, Loecher in das Metall gebrannt, ... schlimm!!! Aber schliesslich meinte der Meister: FERTIG! Sein Werk ist vollbracht, eine Garantie von einem Tag sei er bereit zu geben, alles andere ....
Es wurde noch die hohe Qualitaet der Farbe und die schlechte Qualitaet des verarbeiteten Aluminiums erwaehnt. Ich versprach, beide Bemerkungen so an Cannondale weiterzugeben - hallo? Hoert mich da jedmand?

Nun ist also das Rad wieder fahrbereit, ich auch, aber, ja aber, heute regnet es und zwar in Stroemen; Dariusz ist froh, weil so endlich wieder Wasser im Bach ist und die Forellen in seinem Teich sich freuen. Ich freue mich weniger, bin aber milde gestimmt, ich werde heute in einer vielleicht auftauchenden Regenpause versuchen, das Rad zu testen, werde das Material und mich pflegen und auf morgen vorbereiten. Denn, wie auch Dariusz richtig bemerkte, alles hat ein Ende. Morgen soll auch das Wetter wieder trocken sein und ich rolle gen Suedwesten in die Slowakei.
Die Zeit hier, heute abend werden es eine Woche, haben mich viel gelehrt, was vielleicht bisher auf der Tour noch nicht so von Noeten war und was mir, nicht immer leicht faellt: auch mal die Grenzen der koerperlichen Leistungsfaehigkeit akzeptieren, Geduld aufzubringen fuer die Erholung und sich immer wieder neu unerwarteten Situationen zu stellen. In diesem Sinne freue ich mich auf die kommenden Wochen. Stay online. Gruesse, Marc
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